Pressemitteilung

Typ-2-Diabetes: Gesundheit und Wohlbefinden ein ganzes Leben lang

Frühzeitig multifaktorielle Behandlung gegen Langzeitschäden nutzen

65. Deutscher Kongress für Endokrinologie vom 17. bis 19. März 2022 (online*): „Osteologie meets Endokrinologie und Endokrinologie meets Osteologie“

Baden-Baden, März 2022 – Bei der Behandlung von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2, die häufig gleichzeitig an einem metabolischen Syndrom leiden, zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab: Der therapeutische Fokus liegt nun von Anfang an auch auf der Behandlung der Begleiterkrankungen und nicht nur auf der Einstellung des Blutzuckerspiegels. Langzeitschäden und Sterblichkeit konnten in Studien so drastisch reduziert werden (1-12). Möglich wird dies durch eine mehrgleisige Therapie, die auch den frühen Einsatz von sogenannten SGLT2-Inhibitoren und GLP-1 Rezeptoragonisten beinhaltet. Klinische Studien zeigen hier übereinstimmend die hohe Wirksamkeit des kombinierten Einsatzes beider Substanzgruppen. Dies gilt insbesondere bei hohen kardiovaskulären Risiken und bestehender Herz- und Niereninsuffizienz. Der aktuelle Wissensstand ist Thema auf der Online-Pressekonferenz am Dienstag, 15. März 2022, von 11:00 bis 12:00 Uhr, im Vorfeld des diesjährigen virtuellen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) vom 16. bis 19. März 2022.

Teilnahmelink zur Online-Pressekonferenz:
https://attendee.gotowebinar.com/register/8195655639432176655

Fast jede/r Zehnte in Deutschland leidet an Typ-2-Diabetes – mit steigender Tendenz (13). Oft tritt dieser im Rahmen eines sogenannten metabolischen Syndroms auf. Dann leiden die Patientinnen und Patienten auch an Adipositas, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, Gerinnungsstörung und niederschwelliger Entzündung. „Das ist eine toxische Kombination“, sagt Univ. Professor Dr. med. Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg, „denn sie bildet die Grundlage für schwerwiegende Folgeerkrankungen“. Dazu gehören etwa kardiovaskuläre und mikrovaskuläre Komplikationen, wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen, aber auch Niereninsuffizienz, Erblindung, Nervenschädigungen und das diabetische Fußsyndrom. Aufgrund dieser Komplikationen erhöht sich auch die Sterblichkeit der Betroffenen deutlich. „Das therapeutische Ziel in der Behandlung muss deshalb auf der Verhinderung von Langzeitschäden dieses Syndroms ausgerichtet sein. Und das bedeutet Therapie ein ganzes Leben lang“, so Seufert, der Präsident des diesjährigen DGE-Kongresses ist.

Das metabolische Syndrom von Anfang an mitbehandeln

Bei dieser sogenannten „multifaktoriellen Therapie“ werden Adipositas, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und der Diabetes mellitus Typ 2 gleichzeitig behandelt. „Dies kann heute durch den sinnvollen Einsatz von neuen Medikamenten gelingen“, sagt Seufert. Für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 habe sich in Studiendaten aus den letzten Jahren gezeigt, dass gerade neuere antidiabetisch wirksame Medikamente wie SGLT2-Inhibitoren und GLP-1 Rezeptoragonisten einen wesentlichen Beitrag nicht nur zur Verbesserung des Stoffwechsels, sondern auch zur Gewichtsreduktion und zur Blutdruckreduktion leisten können. Dazu gehöre auch das Verhindern von Langzeitschäden und Folgekomplikationen sowie die Reduktion der Sterblichkeit

SGLT2-Inhibitoren und GLP-1 Rezeptoragonisten sind Gamechanger

Die Substanzklasse der SGLT2-Inhibitoren – mit den Vertretern Dapagliflozin, Empagliflozin, Canagliflozin, Sotagliflozin und Ertugliflozin – sind Antidiabetika zur oralen Einnahme. Über die Hemmung eines Natrium/Glukose-Cotransporters an der Niere führen sie zu einer vermehrten Ausscheidung von Glukose, jedoch ohne die Gefahr einer Unterzuckerung. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel schonend gesenkt, die Adipositas geht zurück und der Blutdruck fällt. „Die Studienergebnisse haben darüber hinaus auch einen echten Schutz vor Langzeitschäden an Herz und Niere, im Sinne eines Langzeit-Organschutzes, gezeigt“, so der Diabetologe und Endokrinologe (1-3).

Auch für die Medikamentengruppe der GLP-1 Rezeptoragonisten mit den Vertretern Exenatid, Lixisenatid, Liraglutid, Semaglutid, Dulaglutid, Albiglutid und Efpeglenatid sind in den letzten Jahren überzeugende Studiendaten zur Reduktion von Langzeitschäden bei Diabetes mellitus Typ 2 und des metabolischen Syndroms vorgelegt worden (4-12). Diese Medikamente imitieren die Wirkung des körpereigenen Inkretin und Darmhormons Glukagon-like Peptide 1 (GLP-1). Sie führen zu einem ausgeprägten Rückgang von Übergewicht und Adipositas, bei gleichzeitiger positiver Wirkung auf Blutzucker und Blutdruck. „Der Blutzucker-senkende Effekt ist hierbei durchaus mit Insulin zu vergleichen. Entsprechend empfehlen die nationalen und internationalen Leitlinien, GLP-1 Rezeptoragonisten vor dem Einsatz von Insulin zu erwägen“, ergänzt Seufert. Studien konnten darüber hinaus belegen, dass die Substanzgruppe das Risiko für Langzeitschäden durch das metabolische Syndrom reduzieren kann. Besonders der Rückgang von Herzinfarkten und Schlaganfällen war ausgeprägt.

HbA1c ist nicht mehr der einzige Zielparameter der Behandlung

„Wir beobachten einen Paradigmenwechsel – statt der vorwiegenden Fokussierung auf den Zielparameter HbA1c, der den langfristigen durchschnittlichen Zuckergehalt im Blut angibt, rückt eine Behandlungsstrategie in den Vordergrund, die auch die Begleiterkrankungen in den Blick nimmt “, fasst DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Stephan Petersenn aus Hamburg zusammen.

*Aufgrund der Corona-Pandemie findet der 65. Deutsche Kongress für Endokrinologie vom 17. bis 19. März 2022 nun online statt.

Literatur

(1) Zinman B et al. N Engl J Med 2015;373(22):2117-28
(2) Wanner C et al. N Engl J Med 2016; 375:323-334
(3) Neal B et al. N Engl J Med 2017; 377:644-657
(4) Wiviott S et al. N Engl J Med 2019;380:347-57
(5) Pfeffer M et al. N Engl J Med. 2015; 373(23), 2247-2257
(6) Holman R et al. N Engl J Med 2017; 377:1228-1239
(7) Marso SP et al. N Engl J Med. 2016;375(4):311-22.
(8) Mann JFE et al. N Engl J Med. 2017 Aug 31;377(9):839-84
(9) Marso SP er al. N Engl J Med 2017; 376:890-892
(10) Husain M et al. N Engl J Med. 2019; DOI: 10.1056/NEJMoa1901118.
(11) Hernandez A et al. Lancet 2018; 392:1519–1529
(12) Gerstein HC et al. Lancet 2019; 394:121-130
(13) https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Diabetes_Surveillance/diab_surv_node.html

Nationale und internationale Leitlinien

Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes- Teilpublikation der Langfassung, 2. Auflage. Version 1. 2021 [cited: 2021 -05-01]. DOI: 10.6101/AZQ/000475.
https://www.leitlinien.de/themen/diabetes

Interessenkonflikte

Professor Dr. Jochen Seufert hat folgende Forschungsförderung, Sponsoring von Fortbildungsveranstaltungen (als zweckgebundene Drittmittel) erhalten: Astra Zeneca, Boehringer Ingelheim, Janssen, Lilly, Merck Sharp Dohme (MSD), Novo Nordisk, Sanofi Aventis. Vortragshonorare, Beraterhonorare: Astra Zeneca, Boehringer Ingelheim, Janssen, Lilly, Merck Sharp Dohme (MSD), Novo Nordisk, Sanofi Aventis.
Professor Dr. Stephan Petersenn gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Terminhinweis

Online-Pressekonferenz
Termin: Mittwoch, 15. März 2022, 11:00 bis 12:00 Uhr
Teilnahmelink: https://attendee.gotowebinar.com/register/8195655639432176655

Mehr Informationen zur Pressekonferenz und vorläufiges Programm

Kontakt für Rückfragen

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Dr. Adelheid Liebendörfer und Heinke Schöffmann
Postfach 30 11 20
D-70451 Stuttgart
Telefon: 0711 89 31-173
Telefax: 0711 89 31-167

www.endokrinologie.net
www.dge2022.de


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